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Kleider machen Leute!

Das gilt nicht nur für den Alltag, sondern auch fürs Reiten. Von einem gutsitzenden Helm über eine bequeme Reithose und den perfekten Schuh über den richtigen Sport Bh und den Schnitt der Jacke spielt so ziemlich das gesamte Reitoutfit eine große Rolle. 

 

Must have

Die drei wichtigsten Kleidungsstücke sind für mich ein sicherer Helm, eine optimal sitzende Reithose und bequeme Stiefel oder Stiefeletten.

 

Der Helm als wichtigste Schutzmaßnahme, soll in erster Line und rein funktionell betrachtet meinen Kopf schützen. Zudem ist das Tragen von Reitkappen nicht nur Pflicht auf Turnieren, sondern bietet auch einen guten Placebo-Effekt für unser Unterbewusstsein. Denn mit einem Helm auf dem Kopf fühlt man sich gleich viel sicherer und auch selbstbewusster. Warum also nicht auch mal bei Dominanzproblemen am Boden (z.B. bei steigenden Pferden) einen Helm aufsetzten? Durch den Helm bekommen wir eine besondere Ausstrahlung und heben uns von unserem Umfeld ab. Wir werden vom „normalen Menschen“ zum Reiter. Zugleich bereiten wir uns unbewusst mit diesem Handgriff aufs Reiten vor. Im Gehirn läuft ein Kurzfilm ab. Achtung! Helm auf, Verschluss zu und los geht`s. Auf in die Reitstunde, her mit der Herausforderung im Gelände oder auf dem Turnier. Der Helm verkörpert für mich neben dem eigentlichen Sicherheitsaspekt auch die Achtung gegenüber dem Pferd und dem Reitsport an sich.

 

Die Reithose ist mein Lieblingskleidungsstück. Auf diesen Satz hin, den ich damals in der Grundschule in einen Steckbrief von mir schrieb, bekam ich mein erstes Pflegepony. Eine Mutter las diesen und bot mir darauf eine Reitbeteiligung an. Heute kann ich sagen, dass sich an dieser Aussage rein gar nichts verändert hat. Ich liebe meine Reithosen und trage sie fast täglich. Wichtig bei der Auswahl, ist die richtige Passform. Eine Reithose darf gerne hochwertig statt bunt und glitzern sein und muss passen. Sie darf am Bauch nicht einschnüren und drücken, weil wir sonst nicht gleichmäßig atmen können. Außerdem sollen die Nähte nicht scheuern und der Stoff darf keine Falten bilden. Der Besatz sollte nach Sattelleder gewählt werden. Oft führt der Silikonbesatz zu einem Radiergummieffekt am Sattelleder. Es ist sehr schade und definitiv verbeidbar, sich so den teuren Sattel zu ruinieren.

 

Stiefel oder Stiefelette?

Tatsächlich kann ich mich persönlich keiner der beiden Gruppen zuordnen. Früher ritt ich oft nur mit Stiefelletten und Jodpurhose, derzeit eher mit normaler Reithose oder Reitleggin und Stiefeln. Der Vorteil von Stiefeln ist ein besseres Körperbewusstsein für den Unterschenkel und damit vielleicht auch eine präzisere Schenkeleinwirkung. Diese Aussage ist aber keines Falles in Stein gemeißelt. Der Stiefellette hingegen schreibt man eher mehr Bewegungsfreiheit und zudem einen besseren Tragekomfort zu. Wichtig ist, egal ob Stiefel oder Stiefellette ist eine gute Qualität. Die Sohle sollte ein nicht zu grobes Profil haben, sondern glatt und mit Absatz sein, um einen optimalen Halt zu gewährleisten. Und der Schaft sollte wie üblich über die Knöchel ragen, um den empfindlichen Kapselbandapparat des Außenknöchels gegen Schläge des Metallsteigbügels zu schützen. Je nach Disziplin variiert die Beschaffenheit des Schuhwerks. Von festen und sehr langen Dressurstiefeln, bis über weiche Springstiefel gibt es viele verschiedene Modelle. Ich als Freizeitreiterin nutze gerne spanische Reitstiefel wie die von LasQuiero oder trage Echtleder Stiefeletten von Horze.

 

Sicherheit und Komfort

Grundsätzlich die Reitausrüstung seinen Sinn und ermöglicht uns auch einen gewissen Komfort. Handschuhetrage ich eigentlich nur im Winter gegen die Kälte und nicht gegen Blasen an den Händen, wie es leider oft üblich ist. Handschuhe können jedoch bei Nässe und rutschigem Material, wie z.B. Biothane, sinnvoll sein. Auch hier setze ich auf Lederhandschuhe im Sommer und gefütterte im Winter. Zudem habe ich festgestellt, dass sich auch Mechanikerhandschuhe wunderbar eignen und nicht direkt durchweichen im Gegensatz zu dünnen Baumwollhandschuhen.

Mein Grundsatz: Ein guter Handschuh ist wie eine zweite Haut, er schützt meine Handflächen und lässt mich trotzdem alles erspüren.

 

Auch der Sport-BH sollte passen, nicht einschneiden und trotzdem fixieren. Bei großen Brüsten bietet es sich manchmal an zwei BHs übereinander zu tragen. Erst den normalen Schalen-BH und zusätzlich ein Sport BH. Oft neigen Frauen mit großen Brüsten, dazu diese zu verstecken und sacken im Oberkörper ein. Dabei werden oft die Schultern unbewusst nach vorne gezogen. Dadurch geht die Aufrichtung des Oberkörpers und die damit verbundene Stabilität des Oberkörpers verloren. Zudem sollte das Tragen von Bügel-BHs gerade im Springsport oder in der Vielseitigkeit nicht unterschätzt werden. Stürze kommen hier häufiger vor als in der Dressur und die Metallbügel können sich leicht bei Stürzen zwischen den Rippen durchbohren und die Lunge verletzen.

 

Schutzwesten und Protektoren sollten ebenfalls in Wettkampfsituationen oder beim Einreiten junger Pferde eingesetzt werden. Auch wenn jeder für sich selbst wissen muss, wieviel Schutz nötig ist, finde ich, dass gerade junge Reitschüler von einer Schutzweste profitieren. Kinder, die sich sicher fühlen und angstfrei reiten, lernen besser und trauen sich auch oft im späteren Verlauf der Ausbildung mehr zu. Später, wenn ein gutes Körperbewusstsein und ein Gespür für das Pferd vorhanden sind und man vielleicht sogar ein eignes Pferd besitz, finde ich das Reiten ohne zusätzlichen Schutz legitim. Sollte ich zu der Kategorie Angstreiter gehören, muss ich mich zunächst mit der Angst an sich beschäftigen und an einem guten Vertrauensverhältnis zum Pferd arbeiten. Die Schutzweste ist dann nur Mittel zum Zweck.

 

 Style

 Mir ist eine qualitative gute und funktionale Ausrüstung wichtig. Klar, es soll alles auch schön aussehen und mir gefallen, aber zum Model werde ich dabei nicht. Meine Kleidung soll mir zweckmäßig dienen und mir gleichzeitig ein gutes Gefühl geben. Zum Beispiel ist ein dicker Loopschal zwar stylisch, aber oft eher hinderlich als nützlich. Er schränkt die Bewegung des Kopfes und damit auch das Sichtfeld ein. Oft wirken die Reiterinnen steif und schreckhaft. Zudem werden oft unbewusst die Schultern hoch gezogen um sich in den Schal zu vergraben. Doof ist auch wenn sich ein Schal beim reiten löst und hin und her flattert. Deshalb kommt der Schal bei mir immer unter und nicht über die geschlossene Jacke.

 

Ich hoffe Du konntest einige neue Erkenntnisse in Sachen Reitmode für Dich mitnehmen. Funktionale Reitbekleidung hilft Dir, Dich perfekt an die reiterlichen Bedingungen und Voraussetzungen anzupassen und Dich physisch, wie auch psychisch zu unterstützen. Deine Kleidung ist ein Ausdruck Deiner selbst und transportiert oft auch Deine Einstellung und Stimmung. Deshalb wähle sie mit bedacht, denn sie verleiht Dir und Deinem Pferd mehr Ausdruck als Du vielleicht denken magst. 

 

Viel Spaß dabei wünscht Dir

Deine Vanessa-Christin Fautsch